Paarungswillige dieser Tage haben es nicht einfach. Anders als früher sehen sie sich nicht nur allein dem berufsbedingten Leistungsdruck unterworfen, sondern befinden sich parallel dazu in einem permanenten ‚Pursuit of sexyness’. Die Devise ‚Erfolg macht sexy’ galt gestern. Mann/Frau von heute will in der Regel beides: Sexyness und Intellekt. Porno, Adorno!
Dass aus diesem perfektionistischen Anspruchsdenken Verwirrungen und Verirrungen resultieren, verwundert kaum. Doch woher kommt dieser häufig entseelte Anspruch an das Du, der das kritische Beäugen und Abschätzen des Ich mit einschließt?
Ernste, gewichtige Fragen, die schwere Kost vermuten lassen. Doch Ariadne von Schirach gelingt es in ihrer amüsanten und intelligenten Analyse mögliche Verbindungen zwischen dem perfektionistischen Streben nach sexueller Potenz, dem Stellenwert der Pornographie und der scheinbar um sich greifenden allgemeinen Beziehungsunfähigkeit aufzuzeigen.
Die schwierige Balance zwischen solider Unterhaltung, humorvoller Beobachtung und tiefgründiger Betrachtung wird durch gekonnt eingestreute Geschichtchen, die um ‚SusiPop’ und ihre Freunde kreisen, erreicht. Auch wenn diese Erzählungen manch älterem Leser ein mildes Lächeln oder gar ein latent genervtes Grimassieren abringen mögen, sind die Überlegungen für Mitglieder einer Gesellschaft, die mit zunehmendem Alter immer jünger werden wollen, in ihrer Essenz ebenso aktuell wie für die tatsächliche Jeunesse.
Ariadne von Schirachs lebendiges Plädoyer für spielerische Neugierde und mehr Mut zu authentischer Begegnung ist im Goldmann-Verlag erschienen.