Die Zeiten, in denen Raucher unbeschwert ihrem Bedürfnis in der Öffentlichkeit nachgehen konnten, scheinen nun auch in Deutschland der Vergangenheit anzugehören. Ob in Cafés, Restaurants oder Kneipen, überall existieren zunehmend rauchfreie Zonen. Auch vollständige Rauchverbote stellen keine Seltenheit mehr dar. Was viele Nichtraucher begrüßen mögen, ist für viele Raucher ein echtes Problem.
Was ist Nikotinabhängigkeit?
Die Nikotinabhängigkeit stellt eine der häufigsten psychischen Störungen in der BRD dar und zählt zu den bedeutsamsten vermeidbaren Todesursachen. Weil Nikotin ähnlich wie Opiate wirkt, birgt es ein besonders hohes Suchtpotential. Entsprechend belastend sind dann auch die Entzugssymptome, die sich auf psychischer und körperlicher Ebene äußern. Gängige Symptome beim Rauchstopp sind zum Beispiel Nervosität, Gewichtszunahme, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Schweißausbrüche. Kennzeichnend für die Sucht ist, dass trotz des Wissens hinsichtlich der Schädlichkeit des Tabakkonsums weiter ein Verlangen beziehungsweise der starke Wunsch nach einer Zigarette bestehen bleibt. Die Kontrolle über das eigene Verhalten ist folglich verloren gegangen.
Worin liegen die Ursachen begründet?
Nikotin beeinflusst das Gehirn, Körperfunktionen als auch das menschliche Verhalten. Entsprechend liegen körperliche und psychische Abhängigkeiten vor. Die Sucht entsteht u.a. dadurch, dass Nikotin das Belohnungssystem im Hirn stimuliert. Das geschieht, indem ein bestimmter Neurotransmitter, genannt Dopamin, während des Rauchens verstärkt ausgeschüttet wird. Durch diese Belohnungswirkung kommt es letztlich zu einer Verstärkung des Rauchverhaltens.
Wird die Nikotinzufuhr beschränkt oder gänzlich aufgehoben, führt dies zu einem Mangel an Dopamin, also der belohnenden Substanz im Gehirn. Deshalb fühlen sich viele Raucher bei Entzug verstimmt und verspüren ein verstärktes Verlangen nach einer Zigarette. Schwerwiegender ist, dass der Organismus des Rauchers nun aktiv gelernt hat sich mittels des Nikotinkonsums zu befriedigen. Wie alle Lernvorgänge bewirkt auch dieser Lernvorgang strukturelle Veränderungen im Hirn. Dies bedeutet, dass der Raucher das Nichtrauchen wieder aktiv verlernen muss. Dafür benötigt er Zeit und Willensstärke, weil sich die neuronalen Verknüpfungen im zentralen Nervensystem nur langsam verändern.
Was kann konkret gegen die Abhängigkeit getan werden?
Eben aufgrund dieses langsamen Veränderns der neuronalen Strukturen ist es bedeutsam, alternative Verhaltensweisen, die auch belohnend wirken, zu erlernen. Dazu ist es meist erst einmal notwendig herauszufinden, welche Funktion das Rauchen für den Einzelnen besitzt. Raucht dieser, wenn er unter Stress steht? Oder eher, wenn es gesellig zugeht, er aggressiv, gelangweilt oder traurig ist? Wird geraucht, weil andere es auch tun?
Sind diese individuellen Bedingungen erkannt, können andere Verhaltensweisen erarbeitet werden. Ist dies auf Dauer aus eigenem Antrieb nicht möglich, weil z.B. eine depressive Verstimmung überhand nimmt und damit der Verdacht auf eine ernsthafte zugrunde liegende Störung vermutet werden kann, ist eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt. Eine solche Behandlung kann aber auch dann notwendig sein, wenn der einzelne ‚nur’ eine feste Struktur und aktive Unterstützung braucht, ohne dabei unter schwerwiegenden Störungen zu leiden. Man muss also nicht psychisch beeinträchtigt sein, um Hilfe beim Psychologen einzufordern. Entsprechend verfügen manche Therapeuten über fest strukturierte und zeitlich begrenzte Abstinenzprogramme, die sich in der Praxis bewährt haben.
Um das Verlangen nach der Zigarette zu vermindern, kann auch zeitweilig pharmakologisch, also mit Hilfe von Medikamenten, Kaugummis, Pflastern etc., gearbeitet werden. Auf diese Weise können die unmittelbaren Entzugserscheinungen gedämpft werden. Eine solche Symptombekämpfung erspart dem Einzelnen aber in der Regel nicht, sich mit den Ursachen seines Verhaltens zu beschäftigen und aktiv alternative Verhaltensweisen zu erarbeiten, wenn er eine nachhaltige Veränderung bewirken will.